Präzises Timing

Moderne elektronische Kameras eröffnen völlig neue Möglichkeiten in der Fotografie vor Ort und der nach­träglichen Bildbearbeitung. Verbindet man die heute mögliche hohe Auflösung und schnelle Aufnahme­frequenz mit einem „Drehteller“, so lassen sich problemlos sogenannte Panorama-Aufnahmen erstellen. Voraussetzung dafür ist neben dem hochwertigen Aufnahmegerät auch die opti­male Kamera- bzw. Objek­tiv­ausrichtung über den Schwenkbereich. Hier bietet eine kompakte Kameraführung mit Kleinmotorantrieb optimale Ergebnisse bei kleinstem Stauraum der Ausrüstung.

Die klassische Photographie hat sich im Laufe der Zeit stark verändert. Elektronische Verfahren haben die chemische Bildaufzeichnung verdrängt. Aber auch die moderne Fotografie kann die Gesetze der Optik und Physik nicht umgehen. Die früher notwendige, umfassende Ausrüstung ist im Zeitalter besserer Objektive, digitaler Zoomtechnik und kompakten Bilddatenspeicher zwar geschrumpft, trotzdem muss die Kamera immer noch wackelfrei positioniert werden. Gerade bei Panoramaaufnahmen ist dies wichtig. Die Seitz Phototechnik AG aus dem Schweizer Lustdorf bietet für solche Aufnahmesequenzen die ideale Lösung. Der sogenannte Roundshot VR Drive erlaubt schnell und kostengünstig die Kamera für den „Rundumblick“ aufzurüsten. Alternativ kann auch das Objekt definiert gedreht werden bei fester Kameraposition. Als Antrieb in dem kleinen, nur 2,3 kg schweren Zusatzgerät dient ein Kleinmotor des Antriebsspezialisten FAULHABER.

Das kompakte Roundshot VR Drive ist für viele Spiegelreflexkameras geeignet und erlaubt eine bisher unbekannte Vielfalt an Aufnahmeperspektiven. Bild: Peter Seitz (www.roundshot.ch)

Panoramapräzision.

Auch im Zeitalter der digitalen Bildbearbeitung gilt das alte Motto, was man bei der Aufnahme richtig „einfängt“, muss später nicht aufwendig korrigiert werden. Gerade bei der Zusammensetzung vieler Einzelbilder erleichtert ein exakter Übergang der einzelnen Bilder die Verschmelzung zur Gesamtansicht. Eine hohe Aufnahmefrequenz bei gleichzeitig exakter Positionsabfolge der Einzelblickwinkel wiederum lässt bewegte Objekte wie Wolken oder Fahrzeuge quasi einfrieren. Das VR Drive dreht die Kamera automatisch in sanfter, ruckfreier Bewegung und löst auf Wunsch automatisch die Bildaufnahmen aus. Bei bis zu 999 Stopps pro 360° Umdrehung lassen sich hochwertige Panoramablicke generieren.
Der Kamerakopf stellt dem Fotografen je nach Motiv eine praxisgerechte Aufnahmetechnik mit einer Vielzahl von Möglichkeiten bereit. So schafft der Roundshot VR Drive "s" speed - in nur vier Sekunden eine volle 360° Umdrehung. Im Automatikmodus werden dabei kameraabhängig in einer raschen Sequenz bis zu 5 Bilder pro Sekunde ausgelöst. Präzision und die sanfte Motor-Rotation erlauben dabei eine höhere Auflösung, als dies mit manuellen Panoramaköpfen möglich wäre. Die große Rotations-Geschwindigkeit in Verbindung mit der hohen Einzelbildaufnahmefrequenz löst auch das Problem von "Ghost-"Bildern bei bewegten Objekten wie zum Beispiel Personen oder Wolken. Selbst zylindrische oder sphärische Panoramen können schnell und kostengünstig mit vielen digitalen Spiegelreflex-Kameras und mit allen Objektiven, vom Fischauge bis hin zum Teleobjektiv aufgenommen werden. In Verbindung mit der leistungsfähigen Bildbearbeitungssoftware erlaubt das System auch die Erstellung von HD Videos oder Zeitraffer-Filmen. Bis zu 999 Positionen in einer 360° Umdrehung sind dabei möglich – ideal für Gigapixel Aufnahmen.
Wenn die Aufnahmesituation einen höheren Dynamikumfang erfordert, positioniert der VR Drive im Qualitäts-Modus die Kamera für das automatische Bracketing. Dabei wird das Objekt mehrmals fotografiert, um so einen höheren Dynamikumfang zu erzielen. Die unterschiedlich belichteten Bilder werden anschließend zu einem 32-bit HDR Bild z.B. für 3D-Modellierung oder die Film-Produktion verarbeitet. Grundsätzlich gilt aber immer: Je präziser die Kamera geführt wird, umso einfacher ist die nachfolgende Bildbearbeitung. Die Schweizer Experten für dynamische Fototechnik legen daher Wert auf eine präzise, dabei jedoch praxistauglich leichte und doch robuste Antriebsmechanik.

Panoramaaufnahmen eröffnen gegenüber Normalaufnahmen völlig neue Einsichten.
Bild: David Osborn (www.britishpanoramics.com)

Antriebstechnik kompakt.

Der Antrieb für die Ausrichtung der Kameraposition unterliegt daher besonderen Anforderungen. Der ideale Aktor muss bei möglichst kleinem Volumen eine hohe Leistung bereitstellen. Da für die besten Bildmotive hohe Bewegungsfreiheit nötig ist, braucht der Antrieb einen hohen Wirkungsgrad, um die begrenzte Kapazität des Lithium-Ionen-Akkus optimal zu nutzen. Für eine präzise Positionierung ist eine exakte Korrelation zwischen der Vorgabe des Steuerungsbefehls und tatsächlicher Antriebsbewegung essentiell. Hier bringen Motoren mit integriertem Encoder optimale (Rückmelde)Ergebnisse. Nicht zuletzt müssen alle Bewegungen unabhängig von der aktuell montierten Kameraausführung und Gewicht immer gleich dynamisch ausgeführt werden.
Als Antrieb der Wahl erwies sich über die Summe aller geforderter Eigenschaften ein edelmetallkommutierter Standard-DC-Motor mit durchmesserkonformem Getriebe- und Encoderaufsatz. Der Antrieb mit 22 mm Durchmesser leistet je nach Ausführung zwischen 2 und 11 Watt bzw. erreicht Drehmomente von 2,5 bis 10 mNm an der Abtriebswelle. Die Spannungsvarianten liegen zwischen 3 und 40 V. Der wahlweise mit Sinterlagern oder für Dauerbetrieb mit Kugel- bzw. vorgespannten Kugellagern ausgestattete Motor eignet sich mit einem Wirkungsgrad von über 85 % ideal für akkugestützte Einsätze. Ein aufgesetztes Planetengetriebe reduziert die Motordrehzahl anwendungsgerecht, erhöht das Abtriebsdrehmoment und verbessert gleichzeitig die Auflösung des auf der Motorwelle sitzenden Encoders für die Abtriebsseite des Getriebes. Untersetzungen von 3,71 bis 23.014 : 1 sind in Kunststoff- oder Metallgetriebeausführungen möglich. Das Abgangsdrehmoment darf dabei bis zu 700 mNm betragen. Der Getriebewirkungsgrad liegt je nach gewählter Untersetzung (2- bis 6-stufig) zwischen akkuschonenden 50 und 88 % Wirkungsgrad. Auf die Motorwelle aufgesteckt, liefert ein optischer Encoder je nach Modell bis zu 1024 Rechteckimpulse pro Um­drehung. So lassen sich für die Kamera­ausrichtung sowohl Teilwinkel wie auch Vollkreise gezielt und reproduzierbar abfahren und Einzelbilder winkelsynchron auslösen. Das Gesamtpaket aus Motor, Getriebe und Encoder ist wartungsfrei und kann im Bereich von -25 bis +85 °C betrieben werden. Die Versorgung per Akku ist hier eher der limitierende Faktor, um vom Wintereinsatz im Gebirge bis zum Wüstenpanorama Aufnahmen zu gewinnen.